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Kinder sind keine Corona-Superspreader: Zeit wieder zur Schule zu gehen

pfmGesundheit 17. September 2021 7 Minutes

Mit Schulbeginn kommt es wieder massenhaft zur Testung von Schulkindern, selbst die Kleinsten werden nicht verschont. Die Folge der meist falsch-positiven Tests sind massenhafte Quarantäne mit enormen Belastungen von Kindern, Eltern und natürlich auch Schulen. Das wird bei uns gemacht, aber immer mehr Länder zeigen Vernunft und testen Kinder nicht mehr. Das fordert auch ein Artikel im British Medical Journals, Archives od Disease in Childhood.

Mir wurde heute erstmals ein „Absonderungsbescheid“ zugänglich gemacht, betreffend ein 9-Jähriges Kind. Ich bin ehrlich gestanden entsetzt über die darin vorgesehene Quälerei und die wissenschaftlich völlig unhaltbaren Behauptungen. Es beginnt schon im „Betrifft … Hochrisiko Kontaktperson, COVID-19, Ansteckungsverdacht, Absonderung“. Bei Kindern kann grundsätzlich von Hochrisiko keine Rede sein, so die Studienlage über die ich vielfach berichtet habe und wie in anderen Ländern Kinder, die Kontakt mit einem positiv getesteten Kind hatten, nicht in Quarantäne geschickt werden – eines von mittlerweile vielen Beispielen dafür ist Rumänien.

Dr. Armbrust, Chenfarzt, Kinderklinik Neubrandenburg

Eine Quälerei für Kind und Eltern ist die verpflichtende Testung nach 5 Tagen und die nach 10 Tagen zur “vorzeitigen“ Beendigung der Absonderung, statt dem Ende nach 14 Tagen. Man muss dazu mit dem eigenen Auto das Kind in ein Testzentrum bringen. Außer Landes bringen mit dem eigenen geschlossen Auto in vernünftig und der Wissenschaft entsprechend agierenden Staaten wie Ungarn oder Rumänien darf man nicht. Ein evidenzwidriger Unsinn.

Laut Bescheid kann man sich als Kategorie-II-Kontaktperson einstufen lassen, wenn man einen Nachweis über neutralisierende Antikörper nicht älter als 3 Monate vorlegen kann, oder innerhalb der letzten 6 Monate ein bestätigter Fall war oder wenn die Impfung durch einen zentral zugelassenen Impfstoff erfolgt ist und der Kontakt erst nach Vollimmunisierung erfolgt ist.

Eine Vollimmunisierung liege vor, bei

o einteiligen Impfungen ab dem 28. Tag für 9 Monate,

o zweiteiligen Impfungen ab dem 14. Tag der 2. Teilimpfung für 9 Monate oder

o Impfungen nach Genesung ab dem 14. Tag nach einmaliger Impfung für 9 Monate.

Die Vollimmunisierung liegt hier lediglich vor, wenn man Antikörper hat oder hatte, wenn man ein bestätigter Fall war, oder von einer Covid-Erkrankung genesen ist. Die Impfung führt nicht zu einer Immunisierung und schon gar nicht zu einer Vollimmunisierung. Es würde nicht schaden, wenn auch österreichische Behörden die Zulassung der Impfstoffe durch die EMA lesen würden. Dort steht Schutz vor Erkrankung aber nichts von Immunisierung gegen Infektion.

Auch in der Begründung steht gleich zu Beginn Unsinn. Im ersten Satz ist die Rede von Kontakt zu „einer mittels PCR- oder Antigen-Test auf COVID-19 positiv getesteten Person“. Es gibt keinen Test auf Covid. Covid-19 steht für „Corona-Virus-Disease-19“, also einer Krankheit. Sowohl Antigen- als auch PCR-Test weisen aber nur Bruchstücke (RNA-Sequenzen) von Viren nach, aber keine Infektion und schon gar keine Krankheit. Eine Krankheit kann nur durch eine klinische Diagnose eines Arztes festgestellt werden.

Auch im nächsten Satz wird diese Falschbehauptung einfach weitergeführt: „Bei der Krankheit COVID-19 (SARS-CoV-2-Virus) handelt es sich um eine anzeigepflichtige Krankheit im Sinne des § 1 Abs. 1 Z. 1 Epidemiegesetz 1950…“. Das mag sein, aber es wurde eben keine Erkrankung festgestellt.

Es ist wirklich haarsträubend, dass das Gesundheitsministerium, das ja vermutlich diesen Text vorschreibt, nicht einmal die Basics richtig hinkriegt.

Kinder zurück in die Schule

Wenden wir uns erfreulicherem zu, nämlich zu dem was Wissenschaftler in einem renommierten Magazin zu Kindern in der Schule zu sagen haben. Ich vermeide hier den Begriff „die Wissenschaft“, den Politiker und Mainstream Medien verwenden, das zeigt nur, dass man von Wissenschaft keine Ahnung hat.

Die britischen Autoren stellen in dem Artikel fest, dass es eine große Diskrepanz in der Fallrate und der Prognose zwischen kleinen Kindern und älteren Erwachsenen gibt, die alle überrascht hat. Da bei Tests in der Bevölkerung eine beträchtliche Anzahl von Kindern ohne oder mit subklinischen Symptomen festgestellt wurde, müssen folgende Schlüsselfragen beantwortet werden:

  • Sind die niedrigen Raten bestätigter Infektionen bei Kindern darauf zurückzuführen, dass sich die Kinder nicht infizieren und/oder anstecken, oder ist COVID-19 bei Kindern in der Regel eine so gutartige Erkrankung der oberen Atemwege, dass nicht einmal Säuglinge oder immunsupprimierte Kinder ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen?
  • Wenn Kinder infiziert sind, sind sie dann untereinander und/oder mit Erwachsenen ansteckend?
  • Wenn ja, für wie lange?

Die Auswirkungen asymptomatischer, aber potenziell ansteckender Kinder in der Gemeinschaft sind wichtig zu verstehen. Wenn, wie bei der Influenza, Kinder die Hauptverantwortlichen für die Übertragung von SARS-CoV-2 in Privathaushalten wären, dann könnte die stille Ausbreitung durch Kinder, die niemanden auf ihre Infektion aufmerksam gemacht haben, ein wichtiger Faktor für die Übertragung in der Gemeinschaft sein. Auf der Grundlage dieser Annahme, für die es jedoch keine Beweise gibt, wurden fast überall auf der Welt Schulschließungen verhängt, um die potenzielle Ausbreitung der Krankheit zu stoppen, obwohl frühe Modellrechnungen darauf hindeuteten, dass dies weniger Auswirkungen haben würde als die meisten anderen nicht-pharmakologischen Maßnahmen.

Die Autoren gehen nun auf den durch Studien erworbenen Wissensstand ein. In einigen Regionen wie Südkorea und Island wurden flächendeckend Tests in der Bevölkerung durchgeführt. Beide Länder stellten fest, dass Kinder deutlich unterrepräsentiert waren. In Island gilt dies sowohl für die gezielte Untersuchung von Hochrisikogruppen im Vergleich zu Erwachsenen (6,7 % positiv im Vergleich zu 13,7 %) als auch für das (eingeladene) Bevölkerungsscreening, bei dem keine Kinder unter 10 Jahren positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, verglichen mit 0,8 % der Allgemeinbevölkerung. Später zeigten frühe Daten aus der Stadt Vo in Italien ähnliche Ergebnisse. Bei 86 % der Bevölkerung, die nach dem ersten Todesfall Ende Februar untersucht wurden, wurde bei keinem Kind unter 10 Jahren ein positiver Befund festgestellt (im Vergleich zu 2,6 % der Allgemeinbevölkerung). Und das, obwohl eine Reihe von Kindern mit Erwachsenen zusammenlebte, die COVID-19 hatten, bei denen es aber nicht übertragen wurde (oder nicht nachgewiesen werden konnte).

Daten aus der Rückverfolgung von Kontaktpersonen in Japan haben gezeigt, dass die Ansteckungsrate bei Kindern geringer ist, und neuere Daten aus der Provinz Guangzhou in China haben ebenfalls gezeigt, dass die sekundäre Ansteckungsrate bei Kindern viel geringer ist als bei Erwachsenen (OR 0,23 im Vergleich zu Erwachsenen >60 Jahre).

Es gibt also Hinweise darauf, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei Kindern deutlich geringer ist als bei Erwachsenen. Andererseits könnten Kinder eine eher vorübergehende Infektion der oberen Atemwege mit minimaler Virusausscheidung haben, oder das weniger wahrscheinliche Szenario, dass sie trotz signifikanter Virusausscheidung nur minimale Symptome zeigen.

Eine weitere wichtige Frage ist die Fähigkeit infizierter Kinder, SARS-CoV-2 zu verbreiten. Eine Sammlung von internationalen Familienclustern ergab, dass Kinder in Haushalten kaum als Indexfälle auftreten und nur für etwa 10 % der Cluster verantwortlich sind. Daten aus Guangzhou haben dies bestätigt und eine noch geringere Rate von Kindern als Indexfälle in Haushalten von 5 % festgestellt.

Eine Fallstudie eines Clusters in den französischen Alpen umfasste ein Kind mit COVID-19, das die Krankheit nicht auf eine andere Person übertrug, obwohl es mehr als hundert Kindern in verschiedenen Schulen und einem Skigebiet ausgesetzt war. In einer Schulstudie aus New South Wales, Australien, wurde ein Teil von 863 engen Kontakten von 9 Kindern und 9 Lehrern auf Antikörper als Beweis für eine kürzliche Infektion untersucht. Es wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass Kinder Lehrer infizieren. Bei einem Sekundärfall (bei einem Kind in einer High School) wurde vermutet, dass er sich nach engem Kontakt mit zwei Schülern infiziert hatte. Der andere sekundäre Fall wurde vermutlich von einem Mitarbeiter (Lehrer) angesteckt, der selbst ein Fall war.

In den Niederlanden deuten getrennte Daten aus Primärversorgungs- und Haushaltsstudien darauf hin, dass SARS-CoV-2 hauptsächlich zwischen Erwachsenen und von erwachsenen Familienmitgliedern auf Kinder übertragen wird.

Solange es keine qualitativ hochwertigen Seroüberwachungsdaten gibt, können diese Fragen nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Es ist möglich, dass Verzerrungen bei der Auswahl der zu testenden Bevölkerung oder falsch-negative Abstriche aufgrund von Schwierigkeiten bei der Probenahme bei Kindern zu den vorliegenden Ergebnissen beitragen. Allerdings waren diese Daten bisher in allen Regionen einheitlich, so dass sich die Erkenntnisse weiterhin in eine Richtung bewegen.

Darüber hinaus gibt es bisher nur sehr wenige Erkenntnisse über die Auswirkungen von COVID-19 auf Kinder mit Begleiterkrankungen. Dies steht in deutlichem Gegensatz zur COVID-19-Erkrankung bei Erwachsenen. Alle drei Kinder, die in einer großen chinesischen Kohortenstudie intubiert werden mussten, hatten Komorbiditäten (einschließlich Leukämie, Hydronephrose und Darmverschluss), aber es ist nicht klar, ob COVID-19 der Grund dafür war, dass sie intensivmedizinisch versorgt werden mussten. Begrenzte Daten über Kinder nach Lebertransplantation, mit entzündlichen Darmerkrankungen unter Immunsuppression und Krebs sind beruhigend.

Von der CDC in den USA liegen nur begrenzte Daten über Kinder mit Komorbiditäten vor; bei 23 % der bestätigten Fälle wurde jedoch eine Komorbidität festgestellt (am häufigsten Atemwegserkrankungen), und 77 % der Patienten mit bekanntem Hospitalisierungsstatus (n=37) wiesen eine Komorbidität auf.

Trotz dieser größtenteils beruhigenden Daten wird bei den meisten Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens davon ausgegangen, dass Kinder mit Komorbiditäten wie primären oder sekundären Immunstörungen oder Atemwegs-/Herzerkrankungen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, was im Vereinigten Königreich dazu geführt hat, dass diesen Kindern empfohlen wird, sich vollständig abzuschirmen, wie dies auch bei Erwachsenen der Fall ist, die bekanntermaßen gefährdet sind. Viele Kinderärzte sind besorgt, dass eine pauschale Annahme, dass immunsupprimierte Kinder jeglicher Art einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, diesen Kindern langfristig erheblichen schulischen und sozialen Schaden zufügen wird.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheinen Kinder keine Superspreader zu sein. Politische Maßnahmen für nicht-pharmakologische Interventionen bei Kindern müssen auf der Grundlage der aktuellen Erkenntnisse auf der Basis von Risiko und Nutzen getroffen werden.

Die Regierungen in aller Welt sollten allen Kindern die Rückkehr in die Schule gestatten, unabhängig von den Begleiterkrankungen. Eine individuelle Risikobewertung und Entscheidungsfindung durch Kliniker sollte bei Personen erfolgen, die als außergewöhnlich gefährdet gelten (z. B. unmittelbar nach einer Knochenmarktransplantation) oder bei denen andere ältere Familienmitglieder ein erhebliches Risiko darstellen.

Quelle

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